Das Federseemuseum
Mensch und Umwelt

Am Beginn eines Rundgangs durch das Museum stehen landschaftsgeschichtliche und naturkundliche Themen von der eiszeitlichen Entstehung der Beckenlandschaft und ihrer bewegten Seegeschichte bis hin zur heutigen Artenvielfalt des europäischen Vogelreservats. Große Bedeutung kommt dabei frühen Siedlern, den stein- und bronzezeitlichen Pfahlbauern, zu. Dem Wechselspiel von Mensch und Natur sowie der damit verbundenen Entstehung früher Kulturlandschaften ist gerade am Federsee die Umweltarchäologie zusehends auf die Spur.
Federsee
Der Federsee aus der Vogelperspektive

Landschaftswandel

Bis um 1750 n. Chr. blieb das in Jahrtausenden gewachsene Moor um den See unberührt. Dann begann der Mensch mit Riedentwässerung und Torfabbau die alte Naturlandschaft zu verändern. Das Hochmoor wurde industriell ausgebeutet, Torfbriketts dienten als Brennstoff für die württembergische Staatsbahn. Die folgenschweren Eingriffe dauerten bis Mitte des 20. Jh., aber schon bald nach 1900 bemühte sich der Naturschutz erfolgreich um das Feuchtgebiet. Ein 1911 erworbenes "Banngebiet" war Keimzelle des heute europaweit bedeutenden Vogelreservats. Allein 250 teils bedrohte Vogelarten haben in diesem Biotop eine Rückzugsmöglichkeit gefunden, fast die Hälfte von ihnen brütet hier.
Wassernuss
Die Wassernuß- einst Sammelpflanze der Pfahlbauern, heute am Museum erfolgreich rekultiviert.
Metallstiefel
 Metallstiefel für die Arbeit
im nassen Grund. Frühes 20. Jh.

Rentierjagd in der eiszeitlichen Tundra

Die frühesten Besiedlungsspuren am See und seiner Umgebung sind ca. 16 000 Jahre alt. Die zuvor mächtigen Gletscher waren abgeschmolzen, in das jetzt wieder eisfreie Oberschwaben kehrten Pflanze und Tier zurück, ihnen folgte alsbald der Mensch.
Das 1866 an der Schussenquelle ausgegrabene Lager späteiszeitlicher Rentierjäger galt als erster sicherer Beweis für menschliches Leben in der Tundra des eiszeitlichen Mitteleuropa. Seither sind über 150 alt- und mittelsteinzeitliche Fundplätze hinzugekommen. Nahezu lückenlos dokumentieren sie das Leben am See von der Eiszeit bis zu den letzten Jägern und Sammlern vor 7 000 Jahren.
Steinwerkzeuge
Eiszeitliche Rentierjäger an der Schussenquelle. Werkzeuge aus Feuerstein und Rengeweih

Speerschleuder
 Jagdwaffe neu entdeckt.
Schiessen mit der
eiszeitlichen Speerschleuder

Dörfer im Moor, Karren und Bohlenwege

Für die Menschen der Jungsteinzeit war die Lage zwischen offenem Wasser und Ackerland höchst attraktiv. Ungeachtet der ständig drohenden Überschwemmungsgefahr wurden zwischen 4 400 und 2 700 v. Chr. im Niedermoor immer wieder Häuser gebaut.
Die Bauern der ausgehenden Jungsteinzeit waren auf Anbau und Verarbeitung von Lein spezialisiert, sie legten Bohlenwege durchs Moor und fuhren schon mit Karren - den ältesten in Europa.
Jungsteinzeitliche Keramik
Keramik der jungsteinzeitlichen Schussenrieder Kultur (um 4000 v. Chr.)

Bronzezeitlicher Schmuck
 Schmuck aus der bronzezeitlichen Wasserburg Buchau (um 1000 v. Chr.)


Burgen der Bronzezeit

Nahezu die gesamte Bronzezeit über hinterließen Menschen Spuren im Moor. Sie weisen auf Siedlungssysteme mit Gehöften, Dörfern, befestigten Hauptorten und Burgen hin. Zwischen 1776 und 1480 v. Chr. war es die mauerumwehrte Siedlung Forschner, deren vorzüglich erhaltenen Bauhölzern wir den einzigen kompletten Grundriss einer Befestigungsanlage jener Zeit verdanken. In der späten Bronzezeit beherrschte dann zwischen dem 12. und 9. Jh. v.Chr. die ungemein fundreiche Wasserburg Buchau das Federseebecken.
Siedlung Forschner
Eindrucksvolles Zeugnis der bronzezeitlichen Wehrtechnik - die wieder aufgebaute Palisade der "Siedlung Forschner".

Wasserburg Buchau
 Rekonstruierte Häuser der Wasserburg Buchau.



Kelten am See

In der frühen Eisenzeit bildeten sich die alten Völker Europas, hierzulande die Kelten. Das Pfahlbauzeitalter war im 9. Jh. v. Chr. nahezu überall zu Ende gegangen. Groß daher die Überraschung, als kürzlich am Federsee der Beweis erbracht werden konnte, daß noch frühe Kelten auf schwankendem feuchten Grund Bauten im Ried errichtet hatten.
Alsbald wurde aber auch hier das Moor als Baugrund gemieden. Es wandelte sich zum naturheiligen Ort. Als eindrucksvolles Zeugnis hierfür steht der spätkeltische Weihefund aus einem Opferplatz im Moor bei Kappel.
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