GlaubenssacheN – Kult und Kunst der Bronzezeit
3000 Jahre Glaubensgeschichte
Die Ausstellung beleuchtet in einer ungewöhnlichen Präsentation Kult und Kunst der Bronzezeit. Neben außergewöhnlichen Ausstellungsexponaten, die in dieser Zusammenstellung erstmals in Deutschland zusammen geführt wurden, ist die inhaltliche Weite der Ausstellung bemerkenswert. So richtet sich der Fokus nicht nur auf Alteuropa und bemerkenswerte Fundstücke vom Federsee – er bezieht in gleichem Maße Vorstellungs- und Glaubenswelten, Mythen und Gestalten des östlichen Mittelmeeraumes und des Vorderen Orients mit ein; niedergeschrieben an Wänden von Sargkammern, an Felsheiligtümern oder im Alten Testament.
Als wäre Europa in Bewegung geraten – so schlagartig ändern sich ab 1500 v.Chr. die künstlerisch-kulturellen Äußerungen von Spanien bis nach Dänemark, von Ungarn bis nach Irland:
In Dänemark, Italien und Frankreich bevölkern lebendige Szenerien die Felslandschaft; sie berichten von Göttern und Helden, von Zeremonien, heiligen Zeichen und alten Glaubensvorstellungen. Es entstehen Altäre, etliche Meter hoch oder auf Felskuppen gelegen, als wollten sie geradezu den Himmel berühren. Festplätze und Terrassen an Brandopferplätzen deuten auf kultische Handlungen im ganz großen Stil.
Niedergelegt in Mooren und Flüssen, vergraben an Hängen und in Höhlen finden sich prachtvolle Weihegaben, geopfert den Götter, die eine Gegengabe geradezu erzwingen. Die Vielfalt der mystischen Zeichen und Symbole steigt deutlich an. Reingoldene Priesterhüte und Götterkronen oder klangvolles liturgisches Gerät ergänzen das Fundspektrum – dies alles kennzeichnet Kult und Kunst zur Bronzezeit.
Wir erkennen vieles, das in steinzeitlichen Traditionen wurzelt; doch treten jetzt Motive und Formen auf, die ungewöhnlich und fremdartig sind und doch allerorts Eingang finden in die Bildersprache der Bronzezeit.
Auch wenn wir hierzulande keine schrifthistorischen Quellen kennen, so geben doch die bildlichen Zeugnisse einen ausgeprägten Glauben zu erkennen: Den Glauben an die göttliche Sonne. Die Vorstellung selbst ist alt und im Vorderen Orient seit Jahrtausenden verankert: Der Glaube an das göttliche Sonnenschiff, das den lichten Tag und die Tiefe der Nacht und des Todes durchläuft, wurde offenbar hier wie dort gepflegt. Offen bleibt jedoch, wie es zu dieser neuen Glaubensrichtung kam?
Ist es denkbar, dass bahnbrechend neue, astronomische Erkenntnisse der Sonne zu ungeahnter Bedeutung verhalfen? Das Wissen um den Lauf des Jahres, seiner Monate, Tage und Stunden war um 1500 v.Chr. offenbar weitaus detaillierter, als noch vor wenigen Jahren angenommen. Und so sind einige der Ausstellungsexponate heute zweifelsfrei als frühe Kalender zu interpretieren.
Oder war es die Hoffnung auf den Kreislauf des Lebens, die Hoffnung auf den neuen Tag – das Leben, so wie es für die alten Ägypter nachzuweisen ist?
Oder waren Menschen im Zeichen der Sonne erstanden, die das Wissen um Raum, Zeit und Zahl wie Wächter hüteten und damit ein Ansehen genossen, das den gottgleichen Königen des Vorderen Orients in nichts nachstand?
Oder gab es Impulse und vielleicht die Kunde von dem einen Gott, der so menschennah war wie kaum einer zuvor?
Fragen, die zum Teil offen bleiben müssen – die Ausstellung ‚Glaubenssache(n)’ ist eine Annäherung an die vielleicht nur scheinbar untergegangene, weite Welt zur Bronzezeit, ist die Suche nach dem gemeinsamen Nenner, der die Menschen um 1500 v.Chr. im Westen und Osten untereinander verband. Offenbar waren die Zeitgenossen von Moses eingebunden in ein Glaubensystem, das die Menschheit vor 3000 Jahren zusammenzubinden schien.
Die Ausstellung lässt die Vielfalt bronzezeitlicher Bilder erzählen. Sie widmet sich aber auch den alten Mythologien und lässt Altem Testament und königlichen Hymnen ihren Raum. Und sie lässt – durch einzigartige Exponate bereichert – kostbares Kultgerät Liturgie und Glauben der Zeit um 1500 spiegeln: Die weite Welt der Bronzezeit – sie öffnet sich auf eine ungewöhnliche Weise.
Gerold Jäggles Bronzeobjekte schärfen den Blick!
Die Ausstellung ‘GLAUBENSSACHE(n)’ lässt der zeitgenössischen Kunst ihren eigenen Raum. Sie meidet den Vergleich oder eine direkte Gegenüberstellung, sie erklärt und interpretiert nicht. Jäggles Bronzeobjekte stehen aussagekräftig für sich und sind doch Teil des Ganzen. Brücken zwischen dem Damals und Heute, zwischen Alt und Neu gibt es viele: Nicht nur Materialbeherrschung, Präzision und inhaltliche Dichte verbinden sein Werk mit dem der Bronzezeit. Die Begleitausstellung ‘Gerold Jäggle – Bildhauer’ ist eine Einladung, sich über sein Werk dem Vergangenen zu nähern.
Begleitband
GLAUBENSACHEN – Kult und Kunst der Bronzezeit
Begleitband zur Sonderausstellung 2011
Ralf Baumeister (Hrsg.). Mit Beiträgen von Ralf Baumeister, Carolin Krumm, Thomas Lorenz, Christoph Morrissey, Hartmann Reim
Format: 28 x 21 cm, 136 Seiten, reich bebildert und durchgängig farbig.
Preis: 9.90 EUR
Inhaltsverzeichnis und Einführung als PDF
Begleitveranstaltungen (10 – 18 Uhr)
* 29. Mai (So)
Textilien der Bronzezeit, mit der Archäologin Bettina Hiller
* 19. Juni (So)
Kopfkult und Menschenopfer der Bronzezeit, mit dem Anthropologen Dr. Martin Trautmann.
* 23. Juni (Do)
Ein Himmel aus Bronze,mit dem Bronzeschmied Frank Trommer.
* 3. Juli (So) und 21. Aug. (So)
Heilige Gefäße, mit der Schweizer Restauratorin und Töpferin Erika Berdelis.
ArchäoTheater
„Sonnenfänger – als die Zeit verloren ging“.
Ein archäologisches Schauspiel mit 25 Kindern und Jugendlichen.
Nächste und zugleich letzte Aufführung am 30. Oktober, 15 Uhr.
Führungen durch die Ausstellung
23. Oktober, 30. Oktober & 1. November,
jeweils 14 Uhr
Führungen und Ausstellungsgespräche mit Gerold Jäggle am 15. Mai, 2. Juni und 3. Juli, jeweils um 14 Uhr
Öffnungszeiten
15. Mai bis 1. November, täglich von 10 bis 18 Uhr
Eintritt
Einzelbesucher 5,- EUR
ermäßigt 4,- EUR
Familien 12,- EUR
Gruppen 4,- EUR/Pers.
Schulkassen 2,- EUR/Pers.


